1.2 Anforderungsliste erstellen2019-05-02T17:09:54+00:00

1.2 Anforderungsliste erstellen

Definition: Anforderungsliste (Lastenheft)

  • Zusammenstellung der unmittelbaren, überprüfbaren Anforderungen an ein Produkt oder den Teil eines Produktes (z. B. einer Klebung bzw. des Klebprozesses)
  • Wunschkriterien können zusätzlich mit aufgenommen werden.
  • Unterscheidung zwischen Aspekten, die erfüllt werden müssen, und solchen, die erfüllt werden können.
  • Jeder weitere Schritt der Konstruktion und Fertigung muss in Abstimmung mit dem Lastenheft erfolgen, das gegebenenfalls auch modifiziert oder erweitert werden kann.
  • Jede Information bzw. deren Änderung im Lastenheft sollte in schriftlicher Form dokumentiert werden.

Erstellung der Anforderungsliste unter Einbeziehung aller beteiligter Institutionen:

Für das Erstellen der Anforderungsliste ist es wichtig, die zu erwartenden Beanspruchungen des Produktes bzw. der Klebung möglichst genau zu kennen, um diese in der Anforderungsliste berücksichtigen zu können.

Dabei sind nicht nur Beanspruchungen zu berücksichtigen, die während des Gebrauchs auftreten, sondern auch solche, die als Folge nachfolgender Prozessschritte auftreten.

Zu berücksichtigende Beanspruchungen des Bauteils können sein:

  • Thermische Beanspruchungen, d. h. die Temperaturhöhe und die -dauer bzw. schnelle Temperaturwechsel
  • Mediale Beanspruchungen, z. B. durch Reinigungsmittel, Lösemittel oder andere Chemikalien wie z. B. Kühlmittel
  • Feuchtigkeitseinfluss
  • Strahlung (UV-Strahlung)
  • Mechanische Beanspruchungen (statisch: Schub-Schäl-Druck- und Zugbeanspruchung; dynamisch: Schwingungen oder Schlagbeanspruchungen)

Neben den Beanspruchungen sind weiter folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Arbeits- und Umweltschutz
  • Fügeteile
  • Klebstoff
  • Langzeitbeständigkeit
  • Produktion
  • Qualitätssicherungsmaßnahmen
  • Verfügbarkeit/Kosten

Fügeteile:

  • Material
  • Lagerbedingungen
  • Abstimmung mit Klebstoff und Oberflächenbehandlung
  • Geometrie/Größe der Klebefläche
  • Beanspruchbarkeit des Fügeteils
  • Herstellungsbedingungen des Fügeteiles, soweit sie die Klebbarkeit beeinflussen

Klebstoff:

  • Lagerbedingungen
  • Verarbeitungs- und Verfestigungsbedingungen und -zeiten
  • 1K- oder 2K-Verarbeitung
  • Klebstoffschichtdicke und -breite, Lage der Klebstoffraupe
  • Klebstoffviskosität (z. B. dünnflüssig oder pastös)
  • Abstimmung mit dem Fügeteil und der Oberflächenbehandlung
  • Abstimmungen mit den zu erwartenden BeanspruchungenBeanspruchbarkeit des Klebstoffes

Produktion:

  • Prozess „Kleben“ erfordert Sauberkeit
  • Umgebungsbedingungen und Aushärte- bzw. Abbindebedingungen des Klebstoffes abgleichen
  • Fachgerechte Lagerung von Klebstoff, Fügeteilen und allen Hilfsmaterialien
  • Taktzeiten
  • Auftragsart, d. h. manuell oder automatisiert
  • Lage des Klebstoffes auf dem Fügeteil
  • Klebstoffschichtdicke und -breite
  • Verwendung geeigneter Auftragsgeräte

Arbeits- und Umweltschutz:

  • Klebstoffe können aufgrund ihrer Zusammensetzung als Gefahrstoff bzw. Gefahrgut klassifiziert sein und erfordern somit bestimmte Schutzmaßnahmen.
  • Gesetzliche Bestimmungen müssen beachtet werden, u. a.
    • zum Arbeitsschutz (z. B. die Erstellung einer Betriebsanweisung mit der Festlegung der zu verwendenden Schutzausrüstung, Unterweisung und ggf. medizinischen Begleitung der Mitarbeiter)
    • zum Transport
    • zur Lagerung
    • zur Entsorgung
    • die Pflicht, bei ansonsten gleicher Eignung den Klebstoff mit dem geringeren Gefährdungspotenzial zu verwenden
  • Gefahrstoffrechtliche Informationen können dem vom Klebstofflieferanten zur Verfügung gestellten Sicherheitsdatenblatt entnommen werden.

Langzeitbeständigkeit:

  • Definition der geplanten Produktlebensdauer unter Berücksichtigung der Art und Dauer der einwirkenden Beanspruchungen
  • Festlegung und Durchführung von geeigneten Alterungstests, die die realen Alterungsprozesse bestmöglich nachbilden

Qualitätssicherung:

  • Festlegung der Qualitätssicherungsmaßnahmen für die einzelnen Produktionsschritte

Prozessübergreifende Qualitätssicherungsmaßnahmen:

  • Personalqualifizierung
  • Dokumentation qualitätsrelevanter Daten und Prozesse; Zuordnungsmöglichkeit zum einzelnen Produkt
  • Werkzeug- und Prüfmittelüberwachung
  • Lenkung fehlerhafter Produkte
  • Kommunikation
  • Festlegung von Verantwortlichkeiten
  • Arbeitsorganisation
  • Rückverfolgbarkeit

Verfügbarkeit/Kosten:

  • Verfügbarkeit des Klebstoffes überprüfen und sicherstellen
  • Materialkosten kalkulieren, z. T. auch Kostenvergleich mit anderen Fügeverfahren, d. h. auch Verlust durch verbleibende Restmengen im Gebinde oder notwendige Spülvorgänge und Kosten für sonstige Materialien wie Lösemittel, Primer, Wischtücher usw. müssen berücksichtigt werden
  • Gebindegröße muss dem Klebstoffverbrauch angemessen sein
  • Anforderungsliste erstellen    Bild: Haken
  • Klebstoff + Oberflächenbehandlung vorauswählen
  • Beanspruchbarkeit des Verbundes ermitteln
  • Verbund optimieren bis: Beanspruchung x Sicherheitsfaktor < Beanspruchbarkeit

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