7.2 Erstellen von Arbeitsanweisungen2019-05-02T17:37:02+00:00

7.2 Erstellen von Arbeitsanweisungen

Generelle Anforderungen an Arbeitsanweisungen:

  • Fachlich zutreffend
  • Vollständig
  • Aktuell
  • Verständlich und anschaulich
  • Übersichtlich (evtl. Langfassung für Schulung, Kurzfassung für täglichen Gebrauch in Fertigung)

Im Folgenden wird aufgelistet, was zu verschiedenen Punkten der Fertigung gegebenenfalls mit in der Arbeitsanweisung erfasst werden sollte.

Beachtet werden sollte, dass nicht alle genannten Punkte für jede klebtechnische Anwendung wichtig sind, bzw. umgekehrt die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.

Eine Ergänzung spezieller Punkte kann je nach Prozess notwendig sein.

Die Beschreibung der zu beachtenden Punkte bezieht sich hauptsächlich auf die händische Verarbeitung, da diese bei der Zielgruppe des Leitfadens vermehrt durchgeführt wird.

Vieles kann jedoch für eine automatisierte Verarbeitung übernommen werden. Spezielle Fragestellungen können abschließend mit dem Klebstoffhersteller sowie externen Beratern beantwortet werden.

Punkte, die in einer klebtechnischen Arbeitsanweisung ggf. zu berücksichtigen sind:

1. Dokumentation vorbereiten

  • Dokumentation der qualitätsrelevanten Schritte des Fertigungsablaufes mit:
    Datum, Uhrzeit, Temperatur, ggf. Feuchtigkeit, Klebstoff/Primer (Typ, Charge, Verfallsdatum), Unterschrift Ausführender
  • Dokumentation der fertigungsbegleitenden Prüfungen mit:
    Datum, Uhrzeit, Temperatur, ggf. Feuchtigkeit, Klebstoff/Primer (Typ, Charge, Verfallsdatum), Nummer der Probe, Unterschrift Ausführender
  • Dokumentation des Öffnungsdatums auf allen wieder verschließbaren Gebinde

2. Optimale Umgebungsbedingungen sicherstellen

  • Fertigungsort abgrenzen und vor unbefugtem Betreten schützen
  • Temperaturgrenzen vorgeben
  • Ggf. Temperaturschwankungen und Zugluft verhindern
  • Ggf. Grenzen der Luftfeuchtigkeit vorgeben
  • Messung der Temperatur und Luftfeuchte und Messmethode/-gerät vorschreiben
  • Silikone, Stäube und Aerosole fernhalten
  • Für ausreichende Lichtverhältnisse sorgen
  • Lagerbedingungen für Klebstoff, Hilfsstoffe und Ffügeteile vorschreiben
  • Vorschreiben, was zu unternehmen ist, wenn geforderte Umgebungsbedingungen nicht eingehalten werden können

3. Fügeteile, Primer und Klebstoffe akklimatisieren

  • Sicherstellen, dass weder Fügeteile, noch Primer, noch Klebstoffe zu kalt oder zu warm sind
  • Ggf. Prüfung der Oberflächentemperaturen und Messmethode vorschreiben
  • Erlaubte Temperaturtoleranzen angeben
  • Dauer der Akklimatisierung vorgeben
  • Ort der Akklimatisierung und Umgebungsbedingungen vorgeben

4. Material zurechtlegen

Der Arbeitsanweisung eine Liste mit allen benötigten Materialien voranstellen, Typ und Menge – wo sinnvoll – genau spezifizieren:

  • Dokumentationsunterlagen
  • Werkzeug, Stifte
  • Persönliche Schutzausrüstung (Handschuhe silikon- und talkumfrei!)
  • Absperrband, Warnhinweise, Aufkleber „Gesperrt“
  • Fügeteile, Oberflächen, Beschichtungen
  • Tücher zum Reinigen (Einmaltücher, staub- und fusselfrei, nicht kontaminiert)
  • Reinigungsmittel, Primer, Klebstoffe, Klebebänder, Dichtstoffe, Abglättmittel etc.
  • Dosier- und Applikationsgeräte/-hilfsmittel wie Spachtel, Spatel, Pistolen, Düsen, Waagen, Becher etc.
  • Spacer, Abstandhalter
  • Schablonen, Maßbänder, Schieblehren, Uhren
  • Fixierhilfen
  • Silikonfreie Hautreinigungs- und Pflegemittel

5. Arbeits- und Umweltschutz sicherstellen

  • Gefährdungsbeurteilung durchführen
  • Fertigungsablauf und Materialien auf Arbeits- und Umweltschutzbelange abstimmen
  • Auf gesundheitliche Risiken hinweisen und zeigen, wie sie zu vermeiden sind
  • Art und Verwendung der persönlichen Schutzausrüstung vorschreiben
  • Arbeitsschutzmaßnahmen wie Absaugung, Vermeidung von Inhalation und Hautkontakt vorschreiben
  • Informationen zur ersten Hilfe geben
  • Nur ordnungsgemäß gekennzeichnete Gefäße verwenden (am besten Originalgebinde)
  • Abfallentsorgung vorschreiben
  • Hautreinigungs- und Pflegemittel vorschreiben
  • Betriebsanweisungen zur Verfügung stellen

6. Passgenauigkeit prüfen

  • Prüf- und Messverfahren vorschreiben
  • Passgenauigkeit nach Akklimatisierung der Fügeteile sicherstellen
  • Erlaubte Toleranzen angeben
  • Vorschreiben, was zu unternehmen ist, wenn geforderte Toleranzen nicht eingehalten werden können

7. Fügeteile, Primer und Klebstoffe prüfen

  • Primer und Klebstoffe auf Identität und Haltbarkeit überprüfen
  • Auf wieder verschließbaren Gebinden Öffnungsdatum notieren
  • Für wieder verschließbare Gebinde eine maximale Verwendungsdauer angeben (gilt besonders für feuchte- oder lichtempfindliche Systeme)
  • Primer und Klebstoffe bei Entnahme auf Abweichungen (Aussehen, Rheologie, Geruch etc.) überprüfen.
  • Fügeteile auf Beschädigungen und Abweichungen überprüfen
  • Vorschreiben, was zu unternehmen ist, wenn Abweichungen gefunden werden
  • Fertigungsbegleitend Arbeitsproben (z. B. Raupenschälproben) anfertigen.

8. Oberflächen vorbereiten

  • Oberflächen niemals mit bloßen Fingern oder kontaminierten Handschuhen berühren
  • Falls mit Tüchern gereinigt wird, Einwegtücher aus fusselfreiem, nicht ausgerüstetem Papier verwenden und oft wechseln
  • Kontamination der Reinigungsmittel vermeiden
  • Bei Verwendung wässriger Reiniger sehr gut spülen und trocknen
  • Bei Lösemitteln Ablüftzeiten vorgeben
  • Kontrolle des Reinigungsergebnisses: optisch, Abriebtest, Tropfenmethode usw.
  • Vorschreiben, was zu unternehmen ist, wenn Rückstände auf der Oberfläche bleiben
  • Wenn nicht gereinigt wird: Reproduzierbarkeit sicherstellen und prüfen

9. Oberflächen behandeln

  • Prozess genau spezifizieren
  • Bei Beizvorbehandlung: Badkontrolle, Badkontamination vermeiden, Fügeteile anschließend sehr gut spülen
  • Kontrolle des Vorbehandlungsergebnisses: optisch, Tropfenmethode, Randwinkelmethode, Testtinten, Probeklebung usw.
  • Vorschreiben, was zu unternehmen ist, wenn Abweichungen gefunden werden
  • Lagerung nach Vorbehandlung möglichst kurz und geschützt (möglichst sofort primern oder kleben)
  • Auf Reproduzierbarkeit achten

10. Primer und Klebstoff dosieren und auftragen

  • Gebinde nach Entnahme sofort wieder verschließen
  • Dosier- und ggf. Mischverfahren genau vorschreiben
  • Auftragsverfahren, -menge, -fläche und ggf. Raupengeometrie genau vorschreiben
  • Stets saubere Applikationshilfsmittel verwenden
  • Offene und geschlossene Wartezeiten einhalten, Topf-/offene Zeit oder Hautbildezeiten beachten
  • Vorschreiben, was zu unternehmen ist, wenn Klebstoff oder Primer falsch aufgetragen wurde

11. Fügen

  • Ablauf des Fügens beschreiben
  • Klebschichtdicke und -breite definieren
  • Erlaubte Toleranzen angeben
  • Verfahren zur Einhaltung der richtigen Klebschichtgeometrie beim Fügen vorschreiben (definierter Druck, Abstandhalter etc.)
  • Messverfahren zur Überprüfung der Klebschichtabmessungen vorschreiben
  • Vorschreiben, was zu unternehmen ist, wenn geforderte Toleranzen nicht eingehalten wurden

12. Fixieren

  • Ablauf des Fixierens beschreiben
  • Zeitangabe, wann Fixierung entfernt werden darf
  • Werden Klebebänder auf Flächen verwendet, die anschließend geklebt oder lackiert werden müssen, Haftklebstoffrückstände berücksichtigen
  • Vorschreiben, was zu unternehmen ist, wenn Fixierung versagt hat

13. Aushärten

  • Prozess genau spezifizieren
  • Einhaltung der Aushärtebedingungen sicherstellen (Aushärteparameter: Zeit, Temperatur, rel. Feuchte, Druck, …)
  • Starken Spannung saufbau in der Fuge durch Optimierung der Aushärteparameter vermeiden
  • Aushärtende Klebungen kennzeichnen und vor unzulässiger Beanspruchung schützen
  • Vorschreiben, was zu unternehmen ist, wenn geforderte Aushärtebedingungen nicht eingehalten wurden

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